Ab heute werde ich ab und zu hier Beiträge erstellen. Dies tue ich nicht, um einen Seelenstriptease zu machen. Es wird mir bestimmt nicht einfach fallen. Ich möchte einfach zeigen, dass recovery nicht bedeutet, dass plötzlich alles gut ist, dass alle Symptome plötzlich verschwinden. dies ist nicht so und wäre gelogen. Trotzdem - dies ist meine volle Überzeugung nach beinahe 10 Jahren - kann ein qualitativ hochstehendes Leben gelingen und wir alle können sämtliche Herausforderungen des Lebens irgendwie meistern. Sofern wir alle dafür Erforderliche bereit sind zu unternehmen.. Am 2. März 2020

6. Juni 2020:
Nach einiger Zeit mit dem neuen Corona-Virus habe ich mich an eine neue Realität gewöhnt. Ja, am Anfang hat es Gefühle ausgelöst. Mein ganzes bisheriges Leben geriet komplett durcheinander. Ich war bisher immer auf Wochen ausgebucht und verplant, ich hatte einfach grosse Angst vor Spontaneität, weil ich bisher die Erfahrung gemacht hatte, dass ich alleine zuhause sitze, wenn ich meine Freizeit nicht verplane.
Es ist nur teilweise so. Heut habe ich dank dem Lockdown begriffen, dass ein gewisses Mass an Spontaneität ganz ok ist. Und vor allem geniesse ich auch die Ruhe und Zeit mit mir. 
Die Fähigkeit des Menschen sich rasch auf komplett veränderte Umstände einzustellen und damit klar zu kommen hat die Rasse Mensch so unglaublich erfolgreich gemacht, dass es schon beängstigend ist wie sehr.
Ich gehöre zu dieser Rasse und ich glaube an diese Fähigkeit: Vielleicht habe ich nicht sofort für alles eine Lösung, aber ich finde eine!

23. April 2021:
Es war ein sehr intensives Jahr bisher. Die ganze Sache mit Corona hat dazu geführt, dass ich auch privat mit Leuten im Umfelöd Gespräche führte. Viele erlebten Krisen, die niemals damit gerechnet hätten. Mein eigenes Leben entwickelt sich auch immer mehr: Weiterbildungen, Konzepte , Arbeiten, Kurse und Artikel verfassen, Vorstandsarbeit in einem herausfordernden Umfeld, das wenig Reflektionsbereitschaft zeigt und damit bestehende Fehler nicht korrigiert, angefangen bei einer Kommunikation, die wir Peers eigentlich besser können. Ich übe Gelassenheit, Toleranz und Geduld, muss es aber auch immer wieder üben, denn das wurde mir nicht in die Wiege gelegt.
Die Gruppentherapiekonzepte, die im Laufe der letzten Monate entstanden, funktionieren auf eine Art und Weise, dass ich den Tränen nahe bin. So viele schöne Rückmeldungen und offensichtliche Fortschritte bei den Teilnehmenden. Ich empfinde tiefe Demut und Dankbarkeit, denn ich habe meinen Platz auf dem Planeten endlich doch noch gefunden!
Keine Ahnung, was mir die Zukunft bringt, aber ich weiss, dass ich irgendwie damit klar kommen werde. Vielleicht habe ich nicht sofort alle Lösungen parat, erlebe emotionale Achterbahn und es schüttelt mich wieder einmal durch. Das ist das Leben. So fühlt man sich, wenn die Lösung noch nicht da ist. Ich bleibe dann dran, suche Gespräche und hole Hilfe und plötzlich liegt auch diese Herausforderung hinter mir. Mit diesem Denken und diesen Erfahrungen entstand während der letzte Jahre in Genesung ein tiefes Vertrauen, was wiederum meine Resilienz in neue Höhen katapultierte.
Auch die ganze finanzielle Situation, Corona liess meine Einkünfte um einen Drittel schrumpfen, werde ich überstehen, Die Rechnungen sind bezahlt, der Kühlschrank ist voll und immer wieder ergibt sich eine neue Möglichkeit. Trotzdem würde ich gerne mehr Aufträge an meinen freien Freitagen bekommen. Workshops, Podiumsdiskussionen, Vorträge, Weiterbildungen, aber vor allem Präventionskampagnen sind mehrheitlich ausgefallen. Zudem ist meine Recoverygruppe im IZ Aarau plötzlich gecancelled worden, ursprünglich mit dem Corona-Argument. Leider ist auch der Email-Kontakt danach einfach zusammen gebrochen und ich musste für mich merken, dass dies kein Umgang ist, den ich akzeptiere. Im Minimum eine Antwort müsste doch drinliegen, oder?
Mir ist bewusst, dass es viele Herausforderungen gibt, die ich nicht kenne, darum warte ich einmal ab.
Ich freue mich auf die kommenden warmen und hellen Monate, die ich erfahrungsgemäss viel stabiler erlebe als die dunkle Jahreszeit. Und ich bin echt dankbar für all die schönen Begegnungen, die heute mein Leben bereichern.

6. Mai 2021:
Problem oder Lösung? 
Ich habe einen finanziell echt schwierigen Monat. Eigentlich ist es das Ergebnis der ganzen Pandemie. Viele Aufträge sind weggebrochen. Ich habe in den letzten Jahren mein Urvertrauen zurückerhalten! Heute hat ein Freund mir Geld überwiesen. Einfach so. Er hat die letzten Monate viel verdient durch seine Anlagen und gehört, dass ich Schwierigkeiten habe. Danke, dass sich Vertrauen haben lohnt.
Meine Gedanken sind im Moment v.a. bei der Entwicklung der Peerarbeit und der Recoverybewegung in der Schweiz. Überall steht die Empfehlung, dass man diese Haltung implementieren soll. Doch die Gelder dafür fehlen. Niemand hat bisher definiert, wie genau eine Qualifikation eines Peers aussieht, ausgenommen das Ex-In-Curriculum. Doch hier haben wir innerhalb von 2 Jahren einen Lehrgang von 20 Peers plus noch einige, die nach Deutschland ausweichen. Andere Institutionen gehen neue Wege und die Stellen werden vermehrt so ausgeschrieben, dass nicht mehr ausschliesslich ausgebildete Peers gesucht werden, weil diese fehlen. Eine Öffnung des Berufs für andere Qualifikationen birgt grosse Risiken und können der Bewegung Schaden zufügen, wenn "Peers", die wegen eines ungeschützten Titels so heissen, in Institutionen vor sich hin wursteln, so gut gemeint ihre Motivation auch sein mag. Wir müssen unbedingt mehr auf Ausbildung setzen - und dafür braucht es Geld! 
Peersoenlich denke ich, dass wir strukturelle Verbesserungen erreichen müssen und eine gewisse Qualität von Peerarbeit garantiert werden muss durch geeignete Aus- und Weiterbildung. Vielleicht werden wir bald sogar über eine Ausbildung mit EFZ nachdenken müssen. Auf alle Fälle bleiben wir dran und werden dort den Fokus legen.
Keinesfalls dürfen Privatpersonen darüber bestimmen, wer als Peer arbeitet und auch noch Geld damit verdienen, indem sie quasi Aufträge vermitteln!
Und Betroffene haben ein Recht auf eine professionelle Begleitung: Empathie kombiniert mit Fachwissen. Gut gemeint ist nicht dasselbe wie gut gemacht.
Und Peers mit einem Abschluss sollten sich Gedanken machen, wie sie selber weiter an ihrer Entwicklung dranbleiben. Denn Stillstand bedeutet Rückschritt. Und dann ist auch die eigene Genesung schnell mal gefährdet.
Und wie immer: Ich bin offen für Aufträge. Jeder Beitrag, der unsere Idee weiterbringt, ist ein Segen.
Im Moment eine wichtige Empfehlung: Ein Peer mit Ausbildung hat einen Abschluss "Ex-In" oder "PMS". Alle anderen Menschen sind vielleicht super tolle Menschen, aber ihnen fehlt das handwerkliche Know-How!

15. Mai 2021:

Psychische Gesundheit - aber wie? Die letzten 10 Jahre habe ich als Reise betrachtet. Eine Reise, die ich mit geöffnetem Werkzeugkoffer machte, stetig mein Repertoire erweiterte und übte, die neuen Werkzeuge anzuwenden. Ich hörte zu, beobachtete, wie es andere machen und blieb beharrlich, auch wenn es mal schwieriger wurde. Meine Gefühle haben immer recht! Wenn ein Gefühl da ist, dann erlaube ich dies und bin bereit, es zu fühlen. Widerstand dagegen ist zwecklos und verzögert das Ganze. Ich durfte ein Selbstmitgefühl entwickeln und daraus resultierte ein Selbstverständnis. Dies wiederum sind die Voraussetzung, dass ich in der Selbstannahme und der Eigenliebe ankomme und ab dann sind seelische Krisen ein Teil der Vergangenheit. Diese Zusammenhänge habe ich weder gekannt, noch vermittelt die jemand in unserer westlichen Welt. Wir gehen Probleme ganz anders an heutzutage: Das Symptom als Problem erkennen und dann bekämpfen! Dies zeigt sich auf allen Ebenen, bloss ist es im Fall von psychischen Erkrankungen so offenscihtlich nicht funktional, dass man sich schon die Frage stellen müsste, warum wir es immer wieder auf die gleiche Art versuchen, wenn die Resultate doch ausbleiben. Eine psychische Erkrankung verstehe ich als eine verletzte Seele und dann kommen wir auch zur Lösung: Frieden, Liebe, Sanftheit, Verständnis, Toleranz. Dann heilen nicht nur Menschen, sondern unsere ganze Zivilisation mit all ihren Problemen. Kampf, Krieg und Konflikte machen uns alle krank! Oder anders ausgedrückt: Wir sollten endlich ganzheitlich verstehen lernen. Dies ist schon beinahe philosophisch, ich weiss. Das Ganze muss nun noch von der Theorie in die Praxis überführt werden, denn genau so viel wert ist es: Erst wenn es anwendbar ist und Wirkung zeigt, kann man von "Erfolg" sprechen. Bei psychischer Erkrankung und Genesung gibt es eine funktionierende Leitfrage: "Ist es gut für meine Seele?" Die Antwort darauf führt in die entsprechende Richtung, Recovery oder Verschlechterung...